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MS Hellenistische Epistemologie: Epikur und die Stoa (mit Essaykurs) (53301; theoretisch: 54102, 54202, 53501)

Dozent/in

Details

Zeit/Ort n.V.

ECTS: siehe entsprechende meinCampus-Einträge für die o. g. Prüfungsnummern

Es werden keine Altgriechisch-Kenntnisse vorausgesetzt. Erwartet wird nur, dass die Teilnehmenden bereit sind, ein 20- bis 30-minütiges Referat über die Primärquellen zu halten oder Aufsätze (meistens in englischer Sprache) vorzustellen.

Inhalt

Nach einer traditionellen Auffassung hebt sich die hellenistische Philosophie vom Ansatz der früheren Philosophen (Vorsokratiker, Platon, Aristoteles) durch eine dramatische “erkenntnistheoretische Wende” ab. Die Hauptfrage, die in den Mittelpunkt der hellenistischen Debatten rückt, ist die nach der Möglichkeit und den Grenzen von Wissen (|epistêmê|). Diese Frage stellt zwar kein Novum in der antiken Philosophie dar, sie wird aber immer radikaler gestellt vor allem infolge der skeptischen Herausforderung: Denn einerseits stritten die akademischen Skeptiker die Möglichkeit von Wahrheit und Erkenntnis ab, anderseits ging die andere Hauptrichtung der Skepsis, der Pyrrhonismus, so weit, die Rationalität von (entweder allen oder wenigstens manchen) Überzeugungen als solchen anzuzweifeln. Der Angriff der Skeptiker richtet sich gegen die Annahme eines (oder mehrerer) „Kriteriums (bzw. Kriterien) der Wahrheit“, d.h. eines (oder mehrerer) Mittel(s) zur Unterscheidung von Wahrem und Falschem. Die Benennung eines solchen Kriteriums (oder mehrerer solcher Kriterien) war nämlich kennzeichnend für die beiden einflussreichsten Erkenntnistheorien der hellenistischen Zeit, d.h. sowohl für die epikureische als auch für die stoische. Ziel des Seminars ist es, alle einschlägigen Zeugnisse und Quellen zur epikureischen und stoischen Epistemologie in den Blick zu nehmen und dabei wichtige Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen beiden Ansätzen herauszuarbeiten. Beide Schulen gehen nämlich von materialistischen Grundannahmen aus und räumen der Sinneswahrnehmung eine zentrale Rolle in der Erkenntnistheorie ein, gelangen aber zu sehr unterschiedlichen Konklusionen und legen dabei unterschiedlich hohe Maßstäbe für Wissen an. Das Hauptaugenmerk wird auf die epikureischen und stoischen „Kriterien der Wahrheit“ – laut Epikur auch „Kanon“ (wörtlich: „Richtschnur“) – gelegt werden: die Epikureer nannten drei (Sinneswahrnehmungen, Vorbegriffe, Gefühle) oder vier solcher Kriterien, während die Stoiker die „erkenntnistaugliche Vorstellung“ (|phantasia katalêptikê|) zu ihrem Wahrheitskriterium erklärten. Ein detaillierter Seminarplan mit einer vollständigen Literaturliste wird zu Beginn des Semesters verteilt werden.